Fest der Kreuzerhöhung

„Johannes hat im Kreuz das Werk Gottes gesehen. Er hat in dem gekreuzigten Christus die Herrlichkeit Gottes erkannt. Er hat gesehen, dass er trotz des äußeren Anscheins kein Verlierer ist, sondern ein Gott, der sich freiwillig für jeden Menschen opfert.

Warum hat er das getan? Er hätte sein Leben schonen können, er hätte sich von unserer überaus erbärmlichen und grausamen Geschichte fernhalten können. Stattdessen wollte er in sie hineingehen, in sie eintauchen. Deshalb hat er den schwierigsten Weg gewählt: das Kreuz. Denn es darf keinen Menschen auf der Erde geben, der so verzweifelt ist, dass er ihm nicht begegnen kann, selbst dort, in der Angst, in der Dunkelheit, in der Verlassenheit, im Ärgernis des eigenen Elends und der eigenen Fehler.

Genau dort, wo du denkst, dass Gott nicht sein kann, ist Gott angelangt. Um jeden, der verzweifelt ist, zu retten, wollte er die Verzweiflung berühren, um unsere bitterste Verzagtheit zu seiner eigenen zu machen, schrie er am Kreuz: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,46; Ps 22,1). Ein Schrei, der rettet. Er rettet, weil Gott sich selbst unsere Verlassenheit zu eigen gemacht hat. Und wir sind jetzt, zusammen mit ihm, nicht mehr allein, niemals.“

Papst Franziskus Predigt in am 14. September 2021 in Bratislava.