Himbeeren bis zum Schluss – Altersarmut auf dem Vormarsch

Mit den Lebensmittelpaketen helfen die Malteser in der Diözese Augsburg seit über 10 Jahren bedürftigen und immobilen Senioren. Das Engagement der Malteser in der Diözese Augsburg gegen die Altersarmut wurde in den letzten Jahren stetig ausgebaut. Mit wenigen Paketen starteten die Malteser mit Hilfe von Ehrenamtlichen, der Caritas und der Kartei der Not in Augsburg und sind mittlerweile an neun Standorten in der Diözese vertreten. Das Projekt der Lebensmittelpakete bedeutet: Bedürftige Senioren, die nicht mehr mobil sind, erhalten ein- bis zweimal im Monat ein Lebensmittelpaket mit Grundnahrungsmitteln, frischem Obst und Gemüse.
95 % von den Empfängern sind Frauen, die durch Teilzeitarbeit, Pflegen von Angehörigen und Kindern auch nur eine „Teilzeitrente“ erhalten. Altersarmut ist nicht nur Geldmangel, sondern bedeutet auch das Fehlen von sozialen Kontakten. Armut gilt für viele als persönliches Versagen. Der Grundgedanke von den Maltesern aber ist: Wir sind alle davon abhängig, dass wir uns um den anderen kümmern, der Hilfe benötigt. Gerade diese Krisenzeit hat die Situation noch mehr verschärft.

Diese Unterstützung bringt aber nicht nur Essen in die Haushalte. Sie zeigt auch, dass es nicht nur um die finanzielle Altersarmut hierbei geht. Mit weiteren Diensten, wie dem Besuchs- und Begleitdienst, Friedhofsbegleitdienst, Senioren-Cafés, Suppentreffs und Mahlzeitenpatenschaften der Malteser kann der sozialen Altersarmut begegnet werden, welche genauso ernst zu nehmen ist.

Die Frage, die wir uns diesbezüglich stellen müssen:  „Wie darf ein alter Mensch heute in Würde leben?“

„Wenn wir den Rentenreport Bayern 2018 betrachten,“ so Prof. Dr. Irene Götz von der LMU München,“ so gibt es Zahlen zur durchschnittlichen Rente, die die Armutsgefährdungsschwelle beschreiben. Was bedeutet das für uns in der Bertachtung von Altersarmut?“ Mit einer durchschnittlichen Rente von ca. 854 Euro in Schwaben bei Frauen, die in der Regel mehr betroffen sind, ist eigentlich alles gesagt. Die wichtigsten Punkte, die wir dabei betrachten müssen sind die Altersarmut aus dem Tabubereich herauszuholen. Wenn bei den Betroffenen kein soziales Kapital vorhanden ist, so gibt es kein soziales Netz, das sie unterstützen kann. Zudem macht die Armut auch krank, Einsamkeit macht krank. Die Hemmschwelle zu sagen, „Ich brauche Hilfe“, ist bei den Menschen sehr groß.

In der gesamten Diözese des Malteser Hilfsdienst werden mit den Lebensmittelpaketen Menschen, die im Alter in Not geraten, geholfen. Der Bedarf ist sehr groß und die Lage hat sich mit der Krise deutlich verschärft. Mit der Wanderausstellung „Himbeeren bis zum Schluss“ hat beispielsweise Angie Ehinger, Fotografenmeisterin, 10 Klienten aus dem Projekt fotografiert und der Altersarmut ein Gesicht gegeben. Mit gemeinsamen Vorträgen zum Thema wollen Susanne Hatzelmann, Dienststellenleitung Malteser Kempten, und Angie Ehinger sensibilisieren und aufmerksam machen: Jetzt müssen wir etwas tun - Jung und Alt zusammen.

Vor 10 Jahren entschieden sich die Malteser mit Diözesangeschäftsführer Alexander Pereira für dieses Projekt. Dass dies einer der großen Dienste werden würde, mit mittlerweile 180 ausgelieferten Lebensmittelpaketen allein nur in Augsburg jeden Monat in der Diözese, davon war damals noch nicht auszugehen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wollen die Malteser weitere Maßnahmen verfolgen, um die, die von der Altersarmut betroffen sind, zu unterstützen. Die auf Diözesanebene entwickelten Ansätze sollen weiterhin in unseren Gliederungen umgesetzt werden. „Sich zu vernetzen und weitere unterstützende und nachhaltige Schritte für die Zukunft einzuleiten, ist unser Ziel,“ so Alexander Pereira.

Beitrag über Altersarmut über Hilfsaktionen mit Essenpaketen in Augsburg:

https://www.augsburg.tv/mediathek/video/seniorenprojekt-ein-herz-fuer-rentner-hilft-in-notlagen/

Malteser. Mitwirken. Aktiv werden.